Initiative Solidarische Landwirtschaft Aglasterhausen.

Aktuelle Ereignisse

Sommer 2017

Anfang Juli fand unser Solawi-Sommerfest in Daudenzell im Hof der Gärtnerei statt. Stimmung und Wetter waren gut. Geselliges Beisammensein, leckeres Essen, erzählen, abhängen, Gitarrenklänge und Singen - wir haben diesen Abend genossen.

Anfang August haben einige Solawi-Mitglieder einen Tag Ferienprogramm für Kinder angeboten. : WWW - Wald, Wiese, Wasser - Natur mit allen Sinnen erleben. Der Tag rund um den Michelsee wurde gut angenommen und hat Spaß gemacht.

Zwischendrin gab es immer wieder die Möglichkeit, beim Pflegen und Ernten unseres Gemüses in Garten und Feld mitzumachen. Gerade vor ein paar Tagen die Kartoffelernte, dies Jahr richtig schöne Knollen.

Jetzt steht die Klimamesse in Aglasterhausen vor der Tür, am 14. und 15. Oktober. Wir von der Solawi stellen uns am Sonntag, den 15.10.17 mit einem Infostand am Gemeinschaftsstand vor. Hier kann man uns kennenlernen. Wir feuen uns auf interessierte Besucher.

Naturparkmarkt in Mosbach

Am Sonntag, den 25. Juni findet der dritte diesjährige Naturparkmarkt statt. In Mosbach von 11.00-18.00 Uhr. Es gibt wie jedesmal Handgemachtes und Leckeres aus dem Naturpark Neckartal-Odenwald. Auch die Demetergärtnerei "Michaels Garten" aus Daudenzell ist wieder mit dabei. Das ist unser Solawi-Hof mit einer Vielfalt von Gemüse-, Kräuter- und Obstsorten. Ein Besuch lohnt sich !

Erdbeerglück im Juni – Eindrücke aus der Solawi Aglasterhausen

Die Äcker füllen sich und auch die Gewächshäuser bei Michael sind bepflanzt. Die ersten grünen Tomaten hängen an den Rispen und die Gurken, Kürbisse und Zuccini haben schon ihre schönen Blüten. Einige Paprika und Auberginen stehen ebenfalls auf dem Acker bei Wilfried, auf der Fläche, die das Gewächshaus zum Schieben später immer zu einem Drittel bedecken soll. für Das Gewächshaus ist abgebaut und die ersten Schienen im Boden verankert. Die restlichen Schienen und das Gewächshaus müssen demnächst aufgebaut werden.
Die ersten leckeren Erdbeeren gab es auch schon. Diese werden an den nächsten Dienstagen geerntet, gerne auch noch mit Helfern. Der Sommer ist da!
Als Gärtner ist man dem Jahr immer ein viertel voraus. Es müssen die Wintersorten ausgesät und gepflanzt werden. Verschiedene Kohlsorten sind schon am Helmstadter Berg gepflanzt. Die Kartoffeln, die wir Anfang Mai gesetzt haben, sind fleißig gewachsen. Dieses Jahr wurden sie mit einer Pflanzmaschine, die an den Traktor gehängt wird, gepflanzt. So ging dies zu dritt recht schnell. Michael hat die Pflanzmaschine noch so umgebaut, dass sie für uns passend war. Es gibt inzwischen auch einen Belegungsplan, auf dem zu sehen ist, was wo wächst. Die Kulturen, die länger stehen, wie Karotten, Pastinaken, Zwiebeln, Kohl usw. sollten regelmäßig vom Unkraut befreit werden. Dazu werden auch immer wieder Helfer benötigt!

Hanna, Rosemarie, Georg und Susanne haben die Solawi auf der Gartenbörse am 20.05.17 in Waibstadt vertreten. Von Michael hatten wir Asiasalat, Melde, Tomaten, Paprika, Petersilie und Sonnenblumen. Von Rosemarie und Hanna stammten noch Kürbispflanzen und Ringelblumenpflanzen, die diese in leere Kaffeetüten und Konservendosen gepflanzt haben. Das ganze haben wir dann schön in leeren Weinkisten dekoriert. Wir konnten einiges verkaufen und hatten auch gute Gespräche über die Solawi, ein rundum schöner Tag!

Am Sonntag, den 9. Juli findet unser sommerliches Treffen statt. Ab 17 Uhr ist in der Gärtnerei Michaels Garten in Daudenzell Gelegenheit zum gemütlichen Beisammensein, Essen und Feiern. Es wäre schön, wenn Ihr dabei seid. Nähere Infos, ob etwas mitgebracht werden soll oder zum Ablauf folgen nach den Pfingstferien.

Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Sie möchten uns kennenlernen und sich unverbindlich über eine Mitgliedschaft informieren?

Auf der 13. Kraichgauer Gartenbörse im Schulzentrum Waibstadt am 20. Mai 2017 von 10 -17 Uhr finden Sie unseren Stand "Solidarische Landwirtschaft Aglasterhausen e.V." am Haupteingang vor der Grundschule.
Wir bieten Kräuter-, Gemüse- und Blumensetzlinge der Demetergärtnerei Michael Schütt, Aglasterhausen-Daudenzell zum Verkauf an.

Besuchen Sie uns auf der Gartenbörse "Grenzenlos Grün" - wir freuen uns auf Sie!

Naturparkmarkt in Neunkirchen

Am 23. April 2017 findet zum 1. Mal ein Naturparkmarkt in Neunkirchen statt. Von 11.00 bis 17.00 Uhr werden vielfältige regionale Erzeugnisse angeboten. Auch die Demeter- Gärtnerei "Michaels Garten" ist dort vertreten und bietet an : saisonales Gemüse, Gemüsejungpflanzen und Honig. Wir freuen uns auf Ihr Kommen und Ihr Interesse.

Einladung zur Jahreshauptversammlung

Die SOLAWI Aglasterhausen startet in ihr 4. Gartenjahr – es sind noch Ernteanteile frei!

Das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft (SOLAWI) ist eine alternative Form der regionalen Gemüse-Versorgung.
Die SOLAWI Aglasterhausen besteht aus einer Gruppe von Mitgliedern, die mit Michaels Garten, der Demeter-Gärtnerei in Aglasterhausen-Daudenzell, kooperiert. Verantwortung und Kosten werden gemeinsam solidarisch getragen. Im Gegenzug erhalten die Mitglieder die Ernte – frisch, vielfältig und biologisch-dynamisch angebaut.
Zu unserer SOLAWI-Jahreshauptversammlung am Samstag, den 11.02.2017 laden wir alle Mitglieder und Interessierte ein. Bei dem Treffen wollen wir auf das vergangene Erntejahr zurückblicken und einen Ausblick auf das kommende Jahr geben.

Ort und Zeit:
Sa, 11.02.2017 um 18 Uhr
Vereinsraum 1, Sport- und Festhalle Aglasterhausen, Mosbacher Str. 18

Kontakt und Anmeldung:
Da es sich nicht um eine Informationsveranstaltung handelt, bitten wir alle Neu-Interessierten, sich rechtzeitig vorab zu informieren und telefonisch anzumelden.

www.solawi-aglasterhausen.de
www.solidarische-landwirtschaft.org

Rosemarie Kreß-Fädler 06262/6539, Susanne Nau 06261/62296, Karin Schnetter 06262/925639

Klima Messe Aglasterhausen - Anders wirtschaften

Besuchen Sie uns auf der Klimamesse Aglasterhausen am 5. u d 6. Dezember 2015. Sie finden uns am Gemeinschaftstand. Dort können Sie sich über die Initiative Solidarische Landwirtschaft Aglasterhausen informieren.
Weiter laden wir Sie ein zu einem Vortrag im Rahmen der Klimamesse am Samstag um 16 Uhr, den Kathleen Cross hält. Frau Cross arbeitet mit im Bundesvorstandes des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft und ist Mitglied der Heidelberger Solawi.
Am Sonntag um 13 Uhr wird der Film 'Krumme Gurken' gezeigt, der die Garten Coop Freiburg vorstellt. Anschließend ist Möglichkeit zur Diskussion.
Wir freuen uns über interessierte Menschen. Lernen Sie uns und diese Idee kennen.

Weitere Infos zur Klima Messe unter www.klimamesse-aglasterhausen.de oder im Flyer KlimaMesse.

Brauchen Lebensmittel einen Preis?

Nein, sagten ein paar norddeutsche Bauern und entwickelten eine Idee, die weltweit Karriere macht.

von Ulrike Meyer-Timpe | 28. April 2015 - 07:10 Uhr


Es war das Gegenteil von Aufbruchsstimmung: überall Skepsis, Einwände und Bedenken. So hat es angefangen. Am Buschberghof in Schleswig-Holstein stand vor einigen Jahren der Generationenwechsel an, und die jungen Landwirte wollten neue Wege gehen. Andere Bauern, mit denen Karsten Hildebrandt damals sprach, empfanden die Idee als abwegig. Kann man wirklich Leute dazu überreden, Mitverantwortung für den Bauernhof zu übernehmen und Geld im Voraus zu bezahlen – lange bevor sie dafür etwas zu essen und zu trinken bekommen? Und: Macht es einen Landwirt nicht aus, dass er das, was er erntet, auch verkauft? Er ist doch ein freier Unternehmer, dem Markt verpflichtet. Tatsächlich war es nicht leicht, die bisherigen Kunden des Hofladens zu überzeugen. Was passiert, wenn Trockenheit die Ernte schmälert oder der Hof einen neuen Traktor braucht? Werden sich die Bauern überhaupt engagieren, wenn das ihr Einkommen nicht erhöht? Fast zwei Jahre diskutierte man, wog das Für und Wider ab, ehe sich alle zu dem Projekt durchrangen. Das war 1988. Wolfgang Stränz, der damals schon dabei war, sagt: "Es war ein sozioökonomisches Experiment." Inzwischen hat sich die Idee über die ganze Welt verbreitet. "SoLaWi" heißt sie in Deutschland: Solidarische Landwirtschaft. "CSA" nennt sie der Rest der Welt: "Community Supported Agriculture".Um einen Menschen in Deutschland zu ernähren, benötigt man rund 2.500 Quadratmeter Fläche, ergab eine Studie im Auftrag der Regionalwert AG, die ökologische Betriebe finanziert. Als der Buschberghof sein Experiment startete, wurde erst mal berechnet, wie viele Personen man versorgen kann. Seither kalkulieren die Landwirte jedes Jahr, wie viel Geld für den Betrieb benötigt wird. Den Betrag bringen die Mitglieder der Wirtschaftsgemeinschaft auf, die dafür die gesamte Produktion des Hofs erhalten. Sie bezahlen nicht mehr für ihre Nahrungsmittel, sondern für die Bewirtschaftung des Hofes. "Wir nehmen den Lebensmitteln ihren Preis und geben ihnen so ihren Wert zurück", sagt Stränz. Das Konzept ist ein Statement gegen Massentierhaltung, gegen Monokulturen und die Vernichtung von Lebensmitteln – und für eine vielfältige, naturnahe Landwirtschaft, die nicht mehr auf möglichst hohen Gewinn zielt. Einmal pro Woche, immer dienstags, füllt sich der Hofplatz an der Fuhlenhagener Dorfstraße mit Autos. Viele tragen Hamburger Kennzeichen. Die Städter, oft in Begleitung ihrer Kinder, folgen dem Geruch von frischem Brot. Heute ist Backtag, genau der richtige Moment, um die Lebensmittel für die Woche abzuholen. Ein knappes Dutzend Brot-Varianten steht zur Wahl, Schwarz- oder Dinkelschrot-, Misch- oder Buttermilchbrot, alles aus der hofeigenen Bäckerei, hergestellt aus dem Getreide der eigenen Felder.
Bis zu 300 Brote pro Woche bestellen die Menschen, die der Buschberghof ernährt. Sie bekommen Butter aus der eigenen Meierei, mal größere, mal kleinere Stücke, je nachdem, wie viel Milch die Herde gerade gibt. Sie erhalten Joghurt, Buttermilch und viele Sorten Käse, die hier monatelang gereift sind. Zudem liefern die Rinder Fleisch, genau wie die Schweine und das Geflügel, das obendrein für Eier sorgt. Der Buschberghof bietet alles, was der Mensch zum Leben braucht. Und weil die Nahrungsmittel längst bezahlt sind, gerät niemand in Versuchung, nach Billigangeboten zu jagen – und somit den Preisverfall zu fördern, der die Qualität von Lebensmitteln untergräbt.

Gesa Kolb ist einmal pro Monat in Fuhlenhagen. Im Wechsel mit drei weiteren Familien aus ihrer Nachbarschaft holt sie die Lebensmittel ab und bringt sie zum Depot in der Stadt. 13 solche lokalen Gruppen sind an den Hof angeschlossen. Nicht alle funktionierten von Anfang an reibungslos. Noch fünf Jahre nach der Gründung klagte manche Untergruppe über Mitglieder, die sich vor dem Abholen drückten, nie zu den Treffen erschienen oder im Depot ein Chaos hinterließen – kurz: ein "unsoziales Verhalten" zeigten. Gesa Kolb ist immer gern gefahren. "Früher war das ein schöner Familienausflug", sagt die Erzieherin. "Die Kinder waren ganz begeistert von den Tieren und haben gern beim Melken zugesehen." Seit rund zwanzig Jahren isst ihre Familie das, was der Buschberghof hervorbringt. "In der Zwischenzeit hat es unendlich viele Lebensmittelskandale gegeben, aber wir mussten uns nie Sorgen machen." Im Supermarkt kauft sie nur sehr wenig dazu. Kartoffeln oder Zwiebeln stehen ohnehin immer zur Verfügung, der Inhalt der großen Obst- und Gemüsekisten variiert je nach Jahreszeit. Heute gibt es unter anderem Feldsalat, Rosenkohl und selbst gemachtes Sauerkraut. Rund 50 Gemüsesorten, bis hin zu Auberginen und Zucchini, werden im Lauf des Jahres geerntet. Die Karotten haben vielfältige Formen, mal mit Zwillingswurzel, mal krumm, selten ganz gerade. Anderswo vernichten selbst Biobauern jede Menge Obst und Gemüse, weil es nicht der optischen Norm entspricht und deshalb unverkäuflich ist. Doch wer weiß, dass die Möhre gleich hier auf dem "eigenen" Acker wuchs, dem schmeckt sie auch in origineller Form. Der Hof setzt die biodynamischen Prinzipien um und trägt das Demeter-Ökosiegel. Alles Tierfutter wird selbst angebaut, der Mist dient als Dünger für die Pflanzen. Und es muss so viel Getreide geben, dass das Stroh für das Vieh reicht. 30 Milchkühe umfasst die Rinderherde, einschließlich der Jungtiere, Bullen und Mastochsen ist sie 80 Tiere stark. Noch sind die Weiden zu matschig, die Kühe liegen auf dem strohgedeckten Misthaufen, der sich in der Mitte ihres Stalls als stetig wachsender Düngervorrat erhebt. Dort ist es schön warm. Gelegentlich steigen sie von dem Haufen herab und gehen zur Traufe. Da wartet bestes Heu auf sie, dessen Duft den Raum füllt. Silage ist tabu. Das Angler Rotvieh gilt als bedrohte Haustierrasse, hier werden die zierlichen, braunen Tiere mit den imposanten Hörnern systematisch nachgezüchtet. "Es gibt keine schöneren Kühe auf der Welt", schwärmt Viehwirt Jens Otterbach. "Sie haben gesunde Füße, das ist für die Weidehaltung wichtig. Sie sind sehr fruchtbar, und ihre Milch hat einen besonders hohen Fett- und Eiweißgehalt." Dass sie dafür weniger Milch geben als ihre hochgezüchteten Artgenossen, spielt keine Rolle. Zehn Jahre lang blieb der Buschberghof der einzige SoLaWi-Betrieb in Deutschland, bevor 1998 ein zweiter hinzukam. Erst seit etwa fünf Jahren explodiert die Zahl. Denn 2010 wurden die Globalisierungsgegner von Attac auf das anthroposophisch geprägte Konzept aufmerksam, und Wolfgang Stränz stellte auf ihrer Tagung Freiheit für Freihöfe die Arbeit des Buschberghofs vor. "Die Idee, dass Profiterwartung in Verbindung mit Wettbewerb auf dem Markt Qualitätsprodukte erzeugt, hat sich in der Landwirtschaft nie bestätigt", sagte er. Den Zuhörern leuchtete das ein. Seither hat Stränz viele Initiativen auch aus dem Attac-Umfeld dabei beraten, die Idee umzusetzen. Schon im Herbst 2013 stellte eine soziologische Studie der Universität Frankfurt fest, dass nur noch die Hälfte der damals 39 SoLaWi-Betriebe einen anthroposophischen Hintergrund habe. Inzwischen gibt es 77 Höfe, und 91 weitere Gruppen wollen demnächst starten.

Karsten Hildebrandt hat weder eine Waldorfschule besucht, noch möchte er als Sozialist gelten. Dennoch sagt der Landwirtschaftsmeister, der auf dem Buschberghof die Verantwortung für den Getreideanbau, die Bäckerei und die Schweinezucht trägt: "Der Gewinnmaximierungsgedanke hat bei der Nahrungsmittelproduktion nichts zu suchen. Schließlich geht es doch um die Lebensgrundlage der Menschen." Wie kann ich den Boden fruchtbarer machen und hohe Erträge von guter Qualität erzielen? Wie setze ich meine fachlichen Vorstellungen optimal um, wie gestalte ich den Betrieb? Das seien die Fragen, die ihn beschäftigten. "Meine Aufgabe ist es, eine gute Landwirtschaft zu betreiben und damit die Menschen zu ernähren. Das ist meine Berufung", sagt er. Weder möchte er seine Arbeit nach den jeweiligen EU-Subventionen ausrichten, noch sich um den möglichst lukrativen Verkauf seiner Ernte kümmern und sich dabei mit der Nahrungsmittelindustrie rumschlagen. Schon deshalb wäre es für ihn keine Option, Eigentümer eines herkömmlichen Bauernhofs zu sein. Sein zweites Argument für die Solidarische Landwirtschaft: "Ich kann auch mal Urlaub machen, weil dann immer noch jemand da ist." Er bewirtschaftet den Hof zusammen mit Jens Otterbach, der für die Rinderherde und die Meierei zuständig ist, und dem Gemüsebauern Axel Iser. Als GbR bilden sie die Betriebsgemeinschaft. Was sie zum Lebensunterhalt brauchen, bringt die Wirtschaftsgemeinschaft auf. Dass die meisten von deren Mitgliedern mehr Geld zur Verfügung haben als er selbst, ist Hildebrandt klar. Geschenkt: "Dafür höre ich morgens die Vögel statt der U-Bahn und muss nicht mit dem Auto zur Arbeit fahren." Hildebrandt lebt mit seiner Familie auf dem alten Hof an der Dorfstraße, seine beiden Kollegen wohnen in dem Neubau außerhalb. Dort, auf der kleinen Anhöhe, hat Iser seine Gemüseacker und die Folientunnel für die Anzucht empfindlicher Sorten immer im Blick. Hier leben auch 13 Menschen mit Behinderung, die in einer sozialtherapeutischen Einrichtung betreut werden und auf den Äckern und in der Meierei mithelfen. Die anthroposophischen SoLaWi-Höfe kombinieren ihre Arbeit häufig mit der Sozialtherapie. Gut 360.000 Euro bringt die Wirtschaftsgemeinschaft, die aus 95 Haushalten mit rund 300 Menschen besteht, in diesem Jahr für den Hofbetrieb auf. Im Schnitt zahlen die Mitglieder im Monat etwa hundert Euro pro Person oder 330 Euro pro Familie. Welchen Betrag sie aufbringen können, legen die Menschen zu Beginn des Wirtschaftsjahres selber fest. Denn es geht ja nicht darum, die benötigten Lebensmittel zu bezahlen, sondern darum, die Landwirtschaft zu finanzieren. Deshalb steuert jeder bei, was ihm möglich ist. "Wenn in der ersten Runde nicht genug Geld zusammenkommt, geht der Hut halt noch mal rum", sagt Stränz. "Bislang haben wir jeden Etat zur Deckung gebracht." Vergessen sind die Anfangszeiten, in denen er sich manchmal ärgern musste über "die Mühe des Geldeintreibens", die Knauserigkeit der Mitglieder und die unpünktliche Zahlung.

Wer einen Gemeinschaftshof gründet, muss möglichst viel im Vorfeld festschreiben, und noch mehr muss sich in der Gemeinschaft erst einspielen. Diese Erfahrung machte der ehemalige Buschberghof-Bauer Trauger Groh auch in den USA. Bereits 1986 gründete er dort einen der beiden ersten SoLaWi-Höfe. Mit seinem in viele Sprachen übersetzten Buch Farms of Tomorrow ("Höfe der Zukunft") machte er das Konzept 1998 weltweit bekannt. Heute gibt es in den USA bereits rund 12.000 solcher Höfe. In Frankreich, wo Wolfgang Stränz 2001 einen Vortrag darüber hielt, haben sich seitdem an die 2.500 Nachahmer gefunden. In vielen anderen europäischen Ländern stößt die Idee ebenfalls auf Resonanz, sogar in Japan glaubt man daran. Sie überzeugt wertkonservative Menschen ebenso wie diejenigen, die sich für gesellschaftlichen Fortschritt einsetzen. Denn sie ermöglicht Perspektiven für die Zukunft, indem sie sich auf Traditionen besinnt.

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Jahrestreffen der Initiative Solidarische Landwirtschaft Aglasterhausen

TIM Mälzer lobt SOLAWI-Konzept in ARD und zwingt die bundesweite Homepage des Netzwerkes in die Knie!

Die Sendung hat so großes Interesse an der Solidarischen Landwirtschaft geweckt, dass die Homepage nach der Sendung vor lauter googelnder Verbraucher an den Rand ihrer Kapazitäten kam.

Der Fernsehkoch Tim Mälzer war in der ARD –Sendung “Lebensmittelscheck-Gemüse“ auf der Spur von Geschmack, Herkunft und Qualität von Gemüse auf dem deutschen Markt. Dafür war er unterwegs in Supermärkten, auf Wochenmärkten und entdeckte schließlich in Freiburg das Konzept der SOLAWI. Er war so angetan, dass er plant, selbst einer SOLAWI beizutreten…

Was Tim Mälzer jetzt kennengelernt hat, haben wir in der Initiative SOLAWI Aglasterhausen bereits ein Jahr ausprobiert.
Im September fand das 1. Jahrestreffen der Initiative Solidarische Landwirtschaft Aglasterhausen statt.
„Wir machen auch 2015 weiter mit in der SOLAWI, war die begeisterte Meinung der Anwesenden“. Ziel unserer Initiative ist weiterhin die Versorgung der Mitglieder mit frischem Bio-Gemüse.

Folgende Vereinbarungen werden auch im Jahre 2015 gelten:

  • Das Gemüse wird für jeden Haushalt 1x pro Woche von Mai bis Dezember 2015 (= Erntejahr) in Aglasterhausen bereitgestellt.
  • Transport und Verteilung des Gemüses erfolgen in Eigenverantwortung und gegenseitiger Rücksichtnahme der Mitglieder.
  • Es werden Gemüse-Anteile vergeben.
  • Der Richtwert für die Saison 2015 liegt wieder bei 15.-€ pro Anteil/Woche.
  • Die Bewirtschaftung der Ackerflächen erfolgt unter Demeter-Richtlinien und ist dementsprechend zertifiziert.
  • Ernteausfälle einzelner Kulturen aufgrund von Witterungsverhältnissen sind möglich.
  • Treffen der Mitglieder werden nach Bedarf organisiert. Die Teilnahme an der jährlichen Vollversammlung ist Pflicht. Man kann sich
    durch eine andere Person vertreten lassen.
  • Gemeinsame Aktionen auf dem Hof bzw. den Ackerflächen sind erwünscht.
  • Das Konzept der SoLaWi-Aglasterhausen ist nicht gewinnorientiert, sondern dient der Versorgung der Mitglieder und der Erhaltung und dem Ausbau der Gärtnerei.

Die Gruppe beschloss in ihrem Jahrestreffen im Kalenderjahr 2015, die Anteile von 25 auf 30 zu erhöhen. Damit sind zunächst einmal die Kapazitätsgrenzen der Anbauflächen des Demeter-Gärtnerei-Hofes und der Gruppe erreicht.
Für alle Interessierte wird eine Warteliste geführt und es gibt die Möglichkeit während der Urlaubszeiten Schnupperkisten zu erhalten.
 
AnsprechpartnerInnen für die SOLAWI-Gruppe bleiben Claudia Fensky-Perina und Inge Graser. Neu hinzugekommen ist Karin Neubauer.

Für die Kasse verantwortlich sind Wolfgang Schweikert und Birgit Schwarz.

Für die Internet-Seite steht weiterhin Theo Bos zur Verfügung. 

In Aglasterhausen übt man sich in solidarischer Landwirtschaft

Der Ernteanteil variiert, die Idee bleibt die gleiche: Die Initiative "Solawi" Aglasterhausen übt sich in solidarischer Landwirtschaft – und stößt damit auf positive Resonanz.

12.07.2014, 06:00

Von Heiko Schattauer (Presse-Mitteilung Rhein-Neckar-Zeitung)

Aglasterhausen. Zwei Salate, ein Kohlrabi, eine Salatgurke, ein Kohlkopf, eine Schale Johannisbeeren, Mangold und noch ein paar weitere frische "Zutaten" – das ist die Ernte des Tages. Was am Morgen noch auf den Freiflächen und im Gewächshaus von Demeter-Gärtner Michael Schütt in Daudenzeller Erde war, geht nun direkt an die Testkundschaft. In Aglasterhausen übt man sich in solidarischer Landwirtschaft (Solawi), 25 "Gesellschafter" wollen so gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Solidarisch sollen Risiken, Kosten und eben auch die Ernte geteilt werden – frische Lebensmittel ohne lange Transportwege, Anbautransparenz und ein Beitrag zur Erhaltung eines kleinbäuerlichen Biohofes sind dabei mit inbegriffen. Seit Juni läuft die "Solawi" in Aglasterhausen im Testbetrieb, Ende des Jahres will man eine erste Bilanz ziehen.

Dass man bereits eine Warteliste für Mitgliedschaften hat, zeigt den Verantwortlichen um Inge Graser und Claudia Fensky-Perina, dass ihre Initiative auch über den Probelauf hinaus eine vielversprechende Zukunft haben könnte. Wie das Prinzip der solidarischen Landwirtschaft funktioniert, erläutern die beiden gerne: Solawi sei eine mögliche Antwort auf den globalen Preisdruck, der vor allem auch die kleinbäuerliche Landwirtschaft in ihrer Existenz gefährde. Die Initiative hat nun also 25 Menschen (Familien) zusammengebracht, die gemeinschaftlich mit ihrem Mitgliedsbeitrag einen Teil der laufenden Kosten des Daudenzeller Kleinbauernhofs "Michaels Garten" (mit 1 Hektar Anbaufläche im Freiland, 200 qm im Gewächshaus) tragen. "Die Mitglieder bezahlen 15 Euro pro Woche und erhalten dafür einen Ernteanteil", konkretisiert Inge Graser.

Wie dieser Anteil aussieht, besser: ausfällt, ist durchaus unterschiedlich. Was am Dienstagabend im Gewölbekeller als Ernteanteil ausgegeben wird, variiert (im ursprünglichen Wortsinn) natürlich: "Je nachdem, was die Jahreszeit bietet auf dem Acker", erläutert Michael Schütt, der seit 2003 gemeinsam mit seiner Frau Henrike die Bio-Gärtnerei nach Demeter-Richtlinien führt. Was geerntet wird, entscheidet sich meist erst am Dienstagmorgen. Und so könne es eben vorkommen, dass sich im Wochenanteil der Solidargemeinschaftsmitglieder auch mal vier Salatköpfe finden. Die Grundidee ist, alles zu verwerten", sagt Michael Schütt, "und nicht auf Verdacht zu ernten und am Ende das Gemüse wieder untergraben zu müssen." Am zufriedensten sei er, "wenn am Dienstagabend alle Kisten leer sind."

Mit seinem Ernteanteil unterm Arm, erklärt Solawi-Mitglied Carsten Hartig, warum er und seine Familie sich für die Initiative begeistern können. "Ich will wissen, wo mein Obst und Gemüse herkommt und hohe Qualität. Wenn es das dann gleich um die Ecke gibt – umso besser." Alles irgendwie naheliegend also. Dass sie "Nahrungsmittel von hier" bekommt, ist auch für Sybille Fuchs ein wesentlicher Beweggrund zur Teilnahme. Außerdem sei es ihr ein Anliegen, "eine solche Initiative zu unterstützen."

Inge Graser und Claudia Fensky-Perina freut die positive Resonanz natürlich ebenso wie Biobauer Schütt. Zumal ihnen neben Regionalität, Qualität, Existenzsicherung und Solidargedanken auch noch ein paar "Nebenwirkungen" des Projekts am Herzen liegen. "Es entwickeln sich ja auch gemeinschaftliche Impulse", sagt Fensky-Perina. Unter anderem gebe es Interesse an der Ernte selbst, etwa in Form einer aktiven Beteiligung als Erntehelfer. Aber auch der rege Austausch über (mitunter gar nicht mehr bekanntes) Obst und Gemüse sei höchst interessant. Nicht selten werden am Dienstagabend im Gewölbekeller der Schütts die verschiedensten Zubereitungsmöglichkeiten für Kohlrabi, Mangold oder auch Hirschhornwegerich erörtert.

Ausprobieren ist aber nicht nur bei der Verarbeitung der Ernte die Maxime: "Die Initiative ist für beide Seiten Neuland", sagt Irene Graser, nach dem ersten Testhalbjahr wolle man schauen, in welcher Form die solidarische Landwirtschaft im Kleinen Odenwald weiterentwickelt werden kann. Zarte Wurzeln scheint sie jedenfalls schon auszutreiben, denn erfreulicherweise sind die 25 Erstmitglieder bunt gemischt. Also keineswegs nur aus dem Kreis derer kommend, die bei der Aglasterhausener Klimamesse vor geraumer Zeit die Initiative auf den Weg gebracht haben.

Wer sich selbst ein Bild von der solidarischen Landwirtschaft machen will, kann dies jeden Dienstagabend in Daudenzell tun – wenn die Ernte eingefahren ist und verteilt wird.